Newsletter 026 – Begegne Deiner Scham!

Liebe Freundin, lieber Freund!

Wir alle werden, wenn wir auch nur ein wenig über unser Leben nachdenken, Momente und Erlebnisse tiefer Scham in unserem Leben finden. Die meisten dieser Erinnerungen an die Vergangenheit sind unserem Leben in der Gegenwart und in der Zukunft nicht gerade förderlich. Manche dieser Erinnerungen können geradezu kränkend, krank machend sein. Da wäre es doch schön und hilfreich, der Stärke und der Macht dieser herunter ziehenden Erinnerungen entledigen zu können. Oder zumindest eine Entlastung schaffen zu können.
Wenn Du also Erinnerungsmomente der Scham piesacken, versuche es doch einmal damit: Begegne Deiner Scham! Schreibe Deine Scham!

Begegne Deiner Scham! Schreibe Deine Scham!

Wenn ich Dir vorschlage: „Begegne Deiner Scham! Schreibe Deine Scham!‟, dann meine ich damit nicht: Schreibe es einfach auf, dann ist es weg! Es wäre zwar schön, wenn man sich so leicht der Scham entledigen könnte, aber das ist nicht so leicht möglich. Denn die Scham ist ein starkes Gefühl, eine starke Emotion. Gemeinsam mit Gefühlen der Schuld, der Schande und des Verrats gehört sie sogar zu den mächtigsten Terroristen unserer Seele.

Wenn ich Dir also vorschlage, Deiner Scham zu begegnen und Deine Scham zu schreiben, dann schlage ich Dir damit vor, Dich schreibend richtig tief in Dein Schamerleben hineinzuschreiben. Ohne irgend etwas zu schönen. Im Gegenteil: Mache die Scham so stark, wie du nur kannst!

Begegne Deiner Scham? – So ein Wahnsinn!

„So ein Wahnsinn!‟ wirst du nun vielleicht denken und Dich fragen: „Wieso sollte ich mir so weh tun?‟

Und ich antworte Dir: Du sollst Dir gar nicht wirklich weh tun. Du kannst Dir aber Gutes und Erleichterndes tun, wenn Du das möchtest.

Ganz nebenbei hast Du auch alle Chancen dazu, einen Text zu verfassen, der, wenn Du ihn veröffentlichen willst, Deine Leser zutiefst ergreifen wird. Denn Scham kennen alle Menschen.

Eine Geschichte Deines Schamerlebnisses

Du kannst, wenn Du das möchtest, Deine Scham und Dein Schamerlebnis zu einer Geschichte machen. Dabei schreibst Du Deine Erinnerungen als Erzählende oder Erzählender aber auf keinen Fall in der ersten Person (ich-Form). Sondern Du benutzt, wie ich das auch schon in früheren Newslettern (Newsletter 002 und folgende) beschrieben habe, die dritte Person (Er- oder sie-Form)! Du erschaffst Dir eine Heldin oder einen Helden, der an Deiner Stelle die ganze schamhafte Geschichte qualvoll durchlebt.

Wenn Du vielleicht ohnehin schon an Deinem Roman arbeitest, kannst Du diese Schamgeschichte vielleicht ja auch direkt als Kapitel in Deinen Roman einfließen lassen. Vielleicht ist die Geschichte Deiner Scham ja sogar der Höhepunkt oder Wendepunkt Deines Romans; der Moment, in dem sich alles ändert, weil Deine Heldin oder Dein Held zu einer tieferen und klugeren Einsicht gelangt ist.

Begegne Deiner Scham! – Quäle Deine Heldin!

Schone Deine Heldin (oder Deinen Helden) nicht! Im Gegenteil: Lass sie ihre Scham in aller Tiefe und Grausamkeit erleben und durchleben. Mach die Geschichte ruhig groß und quäle Deine Heldin. Und wenn Du im Schreiben sadistische Züge in Dir feststellst, dann lass sie ruhig zu. An dieser Stelle ist das völlig in Ordnung! In der Begegnung mit der Scham Deiner Heldin darfst Du das!

Begegne Deiner Scham! – Die Scham Deiner Heldin

Du merkst schon: Ich spreche nun nicht mehr von Deiner Scham! Ich spreche von der Scham Deiner Heldin! Schenke Deiner Heldin Deine Scham!

Nun kannst und darfst Du Dir, im Schreiben und auch danach, beim Lesen Deiner Geschichte, die Scham Deiner Heldin in aller Ruhe und Gelassenheit betrachten. Du kannst Ihre Scham voyeuristisch begleiten und beobachten, wie es Deiner Heldin ergeht.

Du kannst und darfst Dich auch für Deine Heldin fremdschämen! Fremdschämen ist zwar nicht gerade der Knüller, aber mal ehrlich: Es ist doch immer noch viel, viel besser, als selbst im Mittelpunkt der Zielscheibe der Beschämungen zu stehen! Oder nicht?


SCHREIBEN in BERLIN | Begegne Deiner Scham!
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Begegne Deiner Scham! – Die Transformation

Wenn Du Dich dann tapfer bis zum Höhepunkt Deiner Geschichte vorangeschrieben hast, geschieht etwas Wunderbares: Du erhältst ein Geschenk! Ein Geschenk, das Du Dir durch Dein Schreiben selbst erarbeitet hast!

Du kannst nun beobachten, wie Deine Heldin mit Ihrer schamhaften Situation umgeht! Wahrscheinlich findet Deine Heldin (Du!) Sichtweisen und Perspektiven, auch Möglichkeiten des Umgangs mit ihrer Scham, die Du zuvor aus Deinem Leben nicht kanntest. Aber nun, als außen stehende Beobachterin, ist es Dir möglich, Perspektiven zu erkennen, die Dir zuvor, als Du noch selbst befangen warst, zu sehen und zu erkennen nicht möglich war.

Schreiben heißt auch: Beobachten!

Dadurch, dass wir uns als Schreibende und Erzählende auch immer in die Rolle des Beobachtenden bringen, können wir immer eine viel weisere und abgeklärtere Sichtweise zu eigenen Themen einnehmen, als im „normalen‟ Leben, in dem wir selbst befangen sind. Und oft vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen.

Mit dem Wunsch nach Mut im schreiben, viel abgeklärter Klarheit und wertvollen Perspektiven verabschiede ich mich bei Dir in die kommende Woche,

Dein Michael


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