In die Welt kommen – Wahr werden

Zur Welt kommen – In die Welt kommen –
Wahr werden!

In die Welt kommen

„In die Welt kommen“ ist, wie ich glaube, ein Thema, das uns alle betrifft. Und das uns nicht nur alle irgendwann einmal betrifft, sondern kontinuierlich, zeit unseres Lebens. Denn nur selten wollen wir uns auf uns selbst beschränken. Und wenn, dann nur für einen begrenzten Zeitraum. Grundsätzlich aber streben wir ständig danach, eine Brücke zur Welt zu schlagen, uns mit der Welt zu verbinden. Unseren Geist mit dem Geist der Welt zu verbinden. Um nicht alleine zu sein.

So sind wir eben.

Hilfreiche Begegnungen mit dem Zweifel

In manchen Momenten sind wir uns, sofern wir Menschen sind, selbst ein wenig fremd und ungeheuer. Manchmal ist dieser Zustand dann auch so ergreifend, dass wir uns fragen: Was bitte ist denn nun real und wirklich? – Ist das Dahinschwimmen in Selbstsicherheit die Wirklichkeit oder sind es vielmehr die Zweifel an uns selbst, die uns wahre Wirklichkeit erfahren lassen?

Das Dahinplätschern ist für die meisten ja sicher das Normale. Einfach deshalb, weil es den viel größeren zeitlichen Raum einnimmt. Doch was Normal ist und was nicht, konnte ja noch nie eine Frage der Wahrhaftigkeit sein und so sollten wir uns auch dieses Mal davor hüten, zu glauben, das Umfangreichere sei das Wahrhaftigere. Denn nicht die Größe oder der Umfang einer Wahrnehmung sind Kriterien der Wahrheit. Einziges Kriterium ist der Gehalt; eingebettet in einen Rahmen widerspruchsfreien Verständnisses.

In die Welt kommen – Das Du und das Ich

Was ist also nun mit diesen Momenten, in denen wir uns selbst begegnen, in denen das Du zum Ich wird und das Ich zum Du? – Sind dies Momente hohen Wertes? Oder sind dies nur launenhafte Grillen, um die wir uns nicht kümmern sollten? Die wir, da sie ja eh nur unnütz und verwirrend sind, dabei auch noch zeitaufwändig zu erklären, besser gleich zur Seite schieben oder auf den Müll werfen sollten?

Doch bevor wir uns aufwändig um eine Bewertung dieser Momente der Selbstbegegnung bemühen, könnten wir ja auch, zur eigenen Beruhigung, ruhig einmal diese einfache Frage, die aus der Selbstbegegnung resultiert, beantworten. Zur Selbstberuhigung. Um Frieden zu finden. Um weiteren gedanklichen Querelen keinen Raum und vor allem keinen Angriffspunkt mehr zu bieten!

Also frisch ans Werk: Begegnen wir doch der Frage, die sich uns als Erstes und Einfachstes spontan ergibt, wenn wir uns selbst begegnen. Und staunend zur Kenntnis nehmen, was uns da gegenübertritt. Natürlich werden wir fragen: Wer bist Du? – Und wir werden auch gefragt werden: Wer bist Du? – Und so werden wir uns selbst fragen: Ja, wer bin ich eigentlich?

Wer bist Du?
Wer bist Du? – Und wer bin ich, der dieses fragt?

Doch Vorsicht ist geboten. Denn diese Frage „Wer bist Du?“ trieb schon ganze Generationen verführter Jugendlicher in den Wahnsinn. Indem sie nämlich glaubten, auf diese „Wer bist Du? – Frage“ gäbe es eine einfache, klare Antwort in einem knappen Satz. Als müsse es eine einfache, klare Antwort in einem einzigen Satz geben!

Doch wir Menschen sind vielschichtige Wesen. Wir leben stets und gleichzeitig auf mehreren verschiedenen Ebenen des Sinns und des Seins. Wir können die Frage nach uns selbst also niemals durch eine einzige Aussage beantworten. Die Beantwortung wird immer eine ganze Reihe von Aussagen beinhalten. Eine ganze Reihe von Aussagen, die in einem sicheren Sinnzusammenhang zueinander stehen. Am besten in einer geordneten Reihung von Aussagen, Erkenntnissen und Bekenntnissen, die in einem notwendigen Sinnzusammenhang zueinander stehen. Eben so, wie in einer Geschichte, einer Schichtung, einem „Geschichte“. (Einmal mehr könnte sich so die Notwendigkeit wieder als weise Führerin zu Klarheit und Erkenntnis erweisen.)

Also:

Erzähle Dir doch einfach, wer Du bist

So wirst Du doch die eigens erlebte Fremdheit und Fragwürdigkeit Deiner eigenen Persönlichkeit am besten und leichtesten überwinden können, oder! – Na klar! Also frisch ans Werk!

Womöglich stehst Du nun aber vor Dir selbst und merkst, dass Du Dir gar nichts zu erzählen hast. Du weißt Dir selbst nichts zu sagen.

Wo es aber nichts zu sagen und zu erzählen gibt, wie sollte dort überhaupt irgendetwas sein? – Nein, da ist nichts. Nichts, nichts und nochmals nichts.

Du stehst vor Dir selbst und merkst, es gibt Dich gar nicht! Es gibt Dich nicht! Du kannst es drehen und wenden, wie Du es auch willst. Da kommt nichts dabei heraus.

Freilich gibt es Dich als Mensch, als etwas, das da steht oder sich bewegt, als Lebewesen mit einem umgehängten Ledertäschchen, verkleidet in einem Anzug, mit frisch geöltem Scheitel. Das alles mag es geben, das alles gibt es auch. Aber Dich selbst gibt es dadurch noch nicht.

In die Welt kommen – Mensch und Person

Es gibt Dich zwar als Menschen, aber nicht als Person; erst recht nicht als Persönlichkeit. Da ist nichts Großes, nichts Hohes, was Durch Deine äußere Erscheinung hindurchklingt. Nichts ist da, was hindurchklingen und verhallen kann. Nichts, was ein Echo in der Welt hervorrufen könnte!

Doch schon in der Antike ist die Persona die Maske, die nur äußere Erscheinung, durch die etwas personare, wahrhaft hindurchklingen kann und auch hindurchklingt. Die äußere Erscheinung, durch die etwas die Welt betreten und nicht nur zur Welt, sondern wirklich in die Welt kommen kann. Die Welt bereichern oder die Welt erschüttern kann.

In die Welt kommen – Sei nicht nur Mensch!

Sei nicht nur Mensch, nicht nur Erscheinung, nicht nur tote, unbelebte Maske. Sei lebendige Maske, die klingt und die schallt, die die Welt reich macht, die die Welt zu sich kommen lässt. Die klingende Maske, die die Welt auch erschüttert, wenn es denn sein muss, damit die Welt auch wieder zu sich kommen kann, sich selbst erkennen kann und versteht, ihre Geschichte nicht nur aufzuschreiben, sondern auch fortzuschreiben!

Also: Schreibe Deine Geschichte! Schreibe die Geschichte von Dir selbst und die Geschichte über Dich selbst. Bevor Du Deine Geschichte geschrieben hast und Dir und der Welt dadurch etwas von Dir selbst erzählen kannst, gibt es Dich gar nicht. Weder für Dich noch für Andere. Weder für Dich noch für die Welt.

Schreibe Deine Geschichte, begegne Dir selbst und versetze Dich dadurch auch in die Lage, der Welt zu begegnen. Bleibe nicht nur tote Maske oder Lebewesen mit ledernem Umhängetäschchen in einem akkuraten Anzug! Bleibe nicht bedeutungslos!

Zur Welt bist Du gekommen. Dafür danke Deiner Mutter. Doch nun wird es Zeit für Dich, auch endlich in die Welt zu kommen, wahr und wahrhaftig zu werden, endlich als Mensch und Person wirklich wahr und wahrhaftig zu sein!


In die Welt kommen
In die Welt kommen