Über mich – Dr.phil. Michael Gutmann

Schreiben

Während der Schulzeit war mir alles Schreiben nur ungeliebte Pflicht. Eine wirkliche Biographie meines Schreibens (Michael Gutmann) gibt es also nicht.

Mit dem wirklichen Schreiben begann ich erst im Alter von etwa 22 Jahren. Und ich wandte mich dem Schreiben auch nicht aus einer Lust oder Leidenschaft zu, sondern aus einer Notwendigkeit.

Eine etwas andere Biographie des Schreibens

Als ich mit dem Schreiben begann, hatte ich schon eine technische Berufsausbildung hinter mir und studierte nun Maschinenbau. Unter meinen Lehrern gab es einen allgemein ungeliebten, alten Physikprofessor, den ich jedoch sehr achtete. Dank dieses schrulligen Professors und seiner langsamen, bedächtigen Vorgehensweise, die den anderen Studenten nur langweilig und pedantisch erschien, hatte ich es verstanden, physikalische Fragestellungen systematisch und erfolgreich zu analysieren.

Der Eintritt in das analytische Denken

Was mich der alte, sonderbare, schrullige Physikprofessor gelehrt hatte und was ich mit großer Leidenschaft, fast spielerisch praktizierte, wie andere Menschen zur Lust Rätsel lösen, war folgendes:

Peinlich genau las ich mir jede Aufgabenstellung durch und setzte als erstes alles daran, die Aufgabe genau und vor allem vollständig zu verstehen. Dazu nahm ich mir alle Ruhe und selbst in Prüfungen und Klausuren alle Zeit der Welt.

Indem ich mich stets allen Aufgaben auf diese zwar langatmige, dafür aber sichere und verlässliche Art und Weise näherte, war es mir im Studium wie auch später im Beruf fast immer möglich, die an mich gerichteten Aufgaben zu lösen. Und wenn ich eine Aufgabe einmal nicht lösen konnte, lag das auch gerne daran, dass die Aufgabe unlösbar war. Jedenfalls konnte ich immer auch erkennen und benennen, weshalb eine Aufgabe nicht lösbar war.

Unsicherheiten und Ängste

Diese Zeit des technischen Studiums, das mir, im Großen und Ganzen recht viel Freude bereitete, war, überlagert von persönlichen Unsicherheiten und Ängsten. So war ich mir beispielsweise meiner Berufswahl gar nicht so sehr sicher, erlebte mich auch als einsam innerhalb der Ingenieursgemeinde, da mich Themen begeisterten, die den anderen nur wenig reizvoll erschienen wie die Malerei oder die künstlerische Fotografie. Vor allem aber wusste ich überhaupt nicht, wie ich denn leben sollte und was ich mit meinem Leben wirklich anfangen wollte. Da gab es auf der einen Seite das solide, bürgerlich anerkannte Studium und die Perspektive, eine Biographie als Ingenieur zu leben. Auf der anderen Seite gab es schnelle Autos und schnelle Motorräder, die eine unstillbare Unruhe in mein Leben brachten.

Selbstverantwortung

Ich wurde schon früh dazu angehalten, selbständig zu entscheiden. Die Aufgabe, mir und meiner Umgebung für alle meine Entscheidungen Rechenschaft ablegen zu können, niemanden anders für meine Erfolge oder Misserfolge verantwortlich machen zu wollen, mein Leben selbstbestimmt, selbstverantwortlich zu leben, erschien mir als die größte aller meiner Lebensaufgaben überhaupt. Leider gab es niemanden in meiner näheren oder weiteren Umgebung, mit dem ich darüber erschöpfend hätte reden können. Die Antwort, die ich meistens erhielt, war: „Du musst schon selber wissen, was Du mit Deinem Leben anfangen willst“. Genau das aber wusste ich nicht und so half mir diese großzügigste aller Antworten auch nicht weiter.

Anfänge des Schreibens

Es war diese Zeit der Ratlosigkeit, in der ich mit dem Schreiben begann.

Ich suchte nach einer Möglichkeit, mir meine quälenden, bohrenden Fragen beantworten zu können Ich wollte endlich wieder eine schon lange ersehnte kindliche Leichtigkeit in meinem Leben verspüren können. Ja, nach Leichtigkeit sehnte ich mich; nach Leichtigkeit und vor allem anderen nach Orientierung!

So setzte ich mich eines Abends bei Kerzenlicht und Weinbrand an meinen Schreibtisch, um einfach mal meine Fragen, die ich an das Leben hatte, aufzuschreiben. Und während ich das tat, erfuhr ich, wie mir schien, eine gewisse Erleichterung.

Erleichterung

Damals nahm ich diese Erleichterung nur dankbar zur Kenntnis, ohne sie, wie heute, weiter zu hinterfragen. Es ging mir einfach ein wenig besser durch das Aufschreiben, so dass ich dieses Prozedere anfangs ab und zu, später regelmäßig, allabendlich wiederholte. Immerzu gerne bei Kerzenlicht und Weinbrand, ein Ritus, der bald meine Abschirmung der eigenen inneren Welt zur realen Welt da draußen werden sollte.

Nachdem ich mich in diesen Ritus eingewöhnt hatte und diese andere, diese eigene Welt nun auch zu einem Teil meines Lebens geworden war, auf den ich mich jederzeit freuen konnte, begann ich mutiger zu werden: Ich wagte es,  nicht nur wieder und wieder meine Fragen an das Leben auf ungeordnete Notizzettel aufzuschreiben: Ich wagte mich an richtiges Schreibpapier; dasselbe, das ich für mein Studium verwandte. Später, worüber ich mich anfangs noch schämte, weil es mir so übertrieben wichtig-tuerisch erschien, schrieb ich in ein eigens für meine Fragen angelegtes Notizbuch; ein sehr preiswertes und auch nicht sonderlich schönes Notizbuch, bei dem ich keinerlei Skrupel hätte, auch jederzeit ein paar Seiten zur Vernichtung herauszureißen. Selbstverständlich durfte dieses Aufgeschriebene niemand zu Gesicht bekommen!

Suche nach Fragen

Bald war es mir nicht mehr genug, meine Fragen, nur um mich zu entlasten und wohler zu fühlen, aufzuschreiben. Die Fragen wiederholten sich und die anfänglichen Glücksgefühle stellten sich auch trotz Kerzenlicht und Branntwein nicht mehr so leicht ein. Vor allem wollte ich nun Antworten auf meine Fragen und Unsicherheiten finden. Wie aber findet ein angehender Maschinenbau-Ingenieur Antworten auf Fragen, die das Mensch-Sein betreffen? In welchen Lexika hätte ich nachschlagen, in welchen Büchern hätte ich lesen sollen? Dieser Blick nach „draußen“, um dort Antworten zu finden, erschien mir aussichtslos. Er machte mir Angst. Angst vor noch mehr gefährlichen Fragen; Angst vor noch größerer Verzweiflung.

Im Verlauf der Monate erlebte ich etwas, was ich heute als völlige Verzweiflung, völlige Verängstigung, völlige Orientierungslosigkeit bezeichnen würde. Und das, obwohl ich, von außen betrachtet, als angehender Maschinenbau-Ingenieur halbwegs gut funktionierte.

Suche nach Lösungen

Irgendwann, irgendwie, vielleicht nur aus einer spielerischen Neigung, kam mir in den Sinn, meine Fragen an das Leben doch einfach einmal zu behandeln wie meine technischen und physikalischen Aufgabenstellungen. Nachdem ich dort lernen konnte, Aufgaben und Probleme zu lösen – wieso sollte es nicht auch möglich sein, die Fragen meines Lebens auf ganz ähnliche Art und Weise zu lösen?

Gegebenes, allgemeine Grundlagen, Gesuchtes

So schuf ich also, genau so wie in der Arbeit als Ingenieur, meine Rubriken: „Gegebenes“, „Grundlagen“ und „Gesuchtes“. In diese Absätze schrieb ich hinein, was ich schon wusste oder zu wissen glaubte. So stand dann beim Gegebenen vielleicht: „Ich bin unzufrieden und unglücklich“. Bei den allgemeinen Grundlagen stand vielleicht: „Mein Leben ist endlich“ und „Die Welt ist groß“. Dann kam die Frage des Gesuchten. Ich spüre noch genau die Verwunderung, als ich feststellen musste, dass ich mein eigentlich Gesuchtes nicht benennen konnte: Ich wusste nicht, was ich eigentlich erreichen, wie ich eigentlich leben wollte!

Das eigentlich Gesuchte

Wie sollte ich wissen können, was ich tun und was ich erreichen wollte, solange ich nicht wusste, was mein eigentliches Ziel war, mein übergeordnetes Ganzes, der Sinn meines Lebens?

So begann ich also zu suchen, was der Sinn meines Lebens wohl sein könnte – und die Suche viel mir nicht leicht. Ich war ein in solchen Fragen noch gänzlich unerfahrener junger Mann. Die Frage nach meinem Lebensziel und die Frage nach dem Sinn meines Lebens war für mich schwieriger zu beantworten als jede andere Frage, die sich mir jemals zuvor gestellt hatte. Und ich fühlte mich elend; erfüllt mit Unsicherheit und Angst. Ich schwebte haltlos im Raum – und studierte weiter Maschinenbau.

Die Angst

Meine größte Angst war, mir in meiner Biographie am Ende meines Lebens eingestehen zu müssen: „Du hast Dein Leben nicht richtig gelebt! Du hast Dein Leben nicht nach allen Regeln der Kunst ausgekostet! Viele schöne Dinge hast du verpasst!

Nun wusste ich ja aber genau so wenig wie jeder andere Mensch, wann das Ende meines Lebens eintreten würde. Dass das Leben überraschend und schnell ein Ende finden konnte, hatte ich schon mehrfach erlebt. Wann aber sollte für mich dieser Zeitpunkt gekommen sein? Durch meine Begeisterung für Autos und Motorräder lebte ich teils ziemlich gefährlich.

Da also jederzeit mein Leben ein Ende finden konnte, kam ich – nach vielem Überlegen – zu der Einsicht, ich müsse mein Leben so leben, dass ich zu jedem Zeitpunkt meines Lebens sagen konnte: Selbst wenn mein Leben jetzt ein Ende finden sollte, so war es doch ein gutes und schönes Leben. Es mag kürzer gewesen sein als das Leben vieler anderer Menschen, aber es war gut und schön.

Der weitere Weg

Mit dieser Maßgabe lebte ich einige Jahre und sogar Jahrzehnte weiter. Bis sich meine vorläufige Erkenntnis im Philosophie- und Psychologiestudium und in der Promotion zum Dr.phil. durch tiefere Erkenntnisse wandelte, verfeinerte und weiter klärte. Hier fanden dann meine späteren maßgeblichen gedanklichen Entwicklungen statt. Was unverändert in meiner mittlerweile philosophischen und psychologischen Arbeitsweise geblieben ist? – Das ist meine aus meiner Biographie und dem Ingenieursberuf ererbte Herangehensweise an Probleme jeglicher Art.

Ich entwerfe mir drei Rubriken und versuche, sie zu füllen. Zuerst suche ich nach dem für meine Fragestellung Gegebenen. Dann suche ich nach den diese Fragen allgemein begleiteten Umständen. Und nicht zuletzt suche ich vor allem genau nach dem eigentlich Gesuchten, nach dem wirklich Gesuchten! Und ich lasse nicht locker, bis ich mir auch diese Frage zufriedenstellend beantworten kann.

Konkret findet das dann Anwendung in Therapiedialogen und im Schreiben in meiner Philosophisch-Therapeutische Praxis SokratesBerlin , in der Anwendung der Sinntherapie aber gleichermaßen beim Schreiben auf dem Weg zur Selbsterkenntnis.

Mittlerweile (Herbst 2018) gibt es auch einen Newsletter, in dem ich meinen Weg zum Schreiben und meine Hochachtung vor dem Schreiben erkläre: Schreiben – Des Menschen höchstes Gut.

Dein / Euer Michael Gutmann


SCHREIBEN IN BERLIN | Schreibworkshops, Schreibcoaching | Dr.phil. Michael Gutmann
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Links zu meinen weiteren beruflichen Tätigkeiten: