Schreiben, Naivität und Bildhaftigkeit

Wahrscheinlich verbringst Du den größten Teil Deines Lebens im Kopf; im Denken und im Erinnern. Und das ist ja auch ganz in Ordnung; das Denken und Erinnern gehört schließlich zu uns Menschen dazu und zeichnet uns als Menschen aus. Beim Schreiben musst Du aber manchmal auch ganz naiv sein können; Naivität gehört zum Schreiben unbedingt dazu!

Das Schreiben und die Naivität

Wahrscheinlich hast Du schon länger das Leben nicht naiv genossen. Das geht den allermeisten von uns so. Du kannst, wenn du das möchtest, Deine Naivität aber üben und entwickeln: Betrachte und erfühle die Welt, Deine Umgebung einfach mal mit all Deinen Sinnen; ohne zu werten und ohne zu urteilen. Und dann kleide, wieder ohne zu werten ob schön oder nicht so schön, das, was Du wahrnimmst, in beschreibende Worte! (Erkenntnistheoretisch liegt zwar auch schon diesem Vorgang eine Bewerten und Beurteilen zu Grunde, aber darauf kommt es hier nicht an.)

Mach Dich fei, werde naiv

Mach Dich frei von allen Gedanken, allen Sorgen, allen Plänen, allem was Dir so im Kopf umhergeht. Und schau einfach nur gedankenleer in die Welt! Werde naiv!

(Tipp: In der freien Natur fällt das leichter und es ist dann auch viel erfahrungsreicher, weil Du dann viel Neues finden wirst. Versprochen!)

Wenn Du das dann ein paar mal geübt hast, wirst Du dieses naiv-werden auch auf Deine inneren Bilder, Deine Phantasien und Deine Erinnerungen anwenden können. Dadurch werden Deine Phantasien und Deine Erinnerungen reicher, voller, plastischer, beeindruckender, schöner.

Naivität im Schreiben

Wir brauchen diese Naivität im Schreiben, um reiche Texte verfassen zu können. Reiche Texte für uns und reiche Texte für unsere Leser, falls wir Leser haben wollen.

Unser Gehirn arbeitet zum großen Teil im Bilder-Modus. Du musst im Schreiben Deinem Gehirn und dem Gehirn Deiner potentiellen Leser also Bilder anbieten. Da Du aber kein Maler bist, sondern eben ein Schriftsteller, ist Dein Weg, Bilder anzubieten, die sinnliche Beschreibung. Die sinnliche Beschreibung ohne Wertung, dafür mit jeder Menge Details und so vielen sinnlichen Attributen (Beifügungen) und Adjektiven (Eigenschaftswörtern, Ist-Wörtern) wie Dir einfallen und passend, schön und hilfreich sind. – Lieber mehr als weniger.

Du brauchst diese naiven Beschreibungen, um Dich und Deine Leser in ein Szenario hineinzuführen, das Ihr dann gemeinsam erleben könnt. Und dann könnt Ihr auch gemeinsam die aus diesem bildhaften Szenario erwachsende Geschichte, die Reise der Heldin oder des Helden, miterleben.

Naivität durch Bilder

Denke einfach an den naiven Beginn schöner Spielfilme: Bilder ohne Wertung zeigen Dir das Szenario, in dem die Geschichte spielen wird. Und Du bekommst das meiste, das später eine Rolle spielen wird, durch Bilder ohne Bewertungen, naiv also, vorgestellt. Du kannst entspannt betrachten und dann in aller Ruhe zuschauen, was sich anschließend als Handlung ergeben wird.

So musst du es als Schriftsteller auch machen: Beginne jede neue Szene bildhaft naiv, bevor Du Dich und Deine Leser in die Welt Deiner Gedanken emporführst.


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