Newsletter 007 – Quäle Dich nicht!

Liebe Freundin, lieber Freund!

Sei herzlich gegrüßt zum siebenten Newsletter zum Thema „Schreiben und Schreiben lernen“! – Heute: Quäle Dich nicht beim Schreiben!

Deine Schreiberfahrungen

Heute möchte ich gerne mit Dir ein wenig über Deine Schreiberfahrungen reflektieren. Besonders, falls Du Dich beim Schreiben manchmal quälst oder Dich mit Bedenken und Gewissensbissen (… nicht schön genug … nicht schnell genug … nicht xxx genug) herumschlägst: Quäle Dich nicht!

Schreibe! Aber quäle Dich nicht beim Schreiben!

Dein Schreiben soll Dir eine kreative Freude und Erfüllung sein! Keine Qual!

Obwohl ich schon zugeben muss, dass ein kleines bisschen Qual manchmal dazu gehört zum Schreiben. Aber dieses kleine bisschen Qual ist dann der Garant für zahlreiche glücklichere Stunden, die im weiteren Schreiben mit Sicherheit folgen werden.

Manche Autoren sprechen bei diesem Zustand der Quälerei ja auch von einer geistigen Schwangerschaft. Mein Freund Sokrates rühmte sich ja auch, Hebamme, Geburtshelfer für geistige Schwangerschaften zu sein (Maieutik). Und meistens, besonders bei Schreibblockaden, wenn ein Gedanke quer liegt, helfen mir seine Fragen und Gedanken dann auch sehr gut, um weiterschreiben können. Manchmal aber auch nicht.

„Quäle Dich nicht beim Schreiben“ ist leicht gesagt!

Wie kommt es eigentlich zu dieser Quälerei beim Schreiben?

Manchmal haben wir einfach noch keine Idee, was wir wie als nächstes schreiben wollen. Dann fühlen wir uns öde, leer und doof. Und wir haben so etwas wie Langeweile. Das ist zwar nicht angenehm, manchmal sogar sehr unangenehm, aber von Zeit zu Zeit notwendig, damit sich unsere Seele oder unser Bewusstsein oder unser Gehirn – wer schreibt eigentlich bei Dir? – entleeren und regenerieren kann. Damit sie / es dann wieder Kraft für neue Ideen hat, die dann nach einer Weile mit Sicherheit auch folgen werden.

Quäle Dich nicht! – Wozu eigentlich quälen?

Dies mag sich für Dich auch manchmal ein bisschen wie eine Quälerei anfühlen. Aber von dieser Art Quälerei wollte ich heute mit Dir nicht sprechen, in einem späteren Newsletter vielleicht einmal, sondern von der Quälerei, die wir manchmal erleben, obwohl wir allen Stoff zum Schreiben haben:

  • Du hast Deine Heldin erfunden

  • Du hast ihr Lebensumfeld erforscht

  • Du kennst ihre Freude und ihr Leid, Du weißt, was ihr Spaß macht und was sie nicht leiden mag

  • Du weißt, was sie besonders gut kann

  • Du kennst ihre größte geheime Angst oder Befürchtung

  • Du weißt, vor welche schwierige Aufgabe sie gestellt ist. (Ihr „Weckruf“ oder ihr „Ruf zum Abenteuer“; siehe Newsletter 005)

  • Und Du weißt vielleicht sogar, wer ihr helfen könnte

  • Schließlich hast Du vielleicht auch schon herausgefunden, wie Deiner Heldin dabei geholfen werden kann, ihre Aufgabe, ihr Abenteuer anzugehen

Und trotzdem quälen wir uns beim Schreiben. Obwohl wir den ganzen Plot und tausende brillanter Bilder schon im Kopf haben. Wir könnten die ganze Geschichte doch einfach voller Stolz und Freude aufschreiben, aber … irgend etwas quietscht und bremst und klemmt und wir quälen uns herum. Dann ist: „Quäle Dich nicht!“ leicht gesagt.

Wie kommt es zu dieser Quälerei?

Wir quälen uns, weil unser Unbewusstes oder unser Unterbewusstes merkt, dass irgend etwas nicht stimmt: Entweder, dass etwas Wichtiges fehlt oder dass irgend etwas nicht zusammen passt und so keinen Sinn ergibt oder … oder … .

Da können wir uns quälen und wir können grübeln und grübeln und grübeln … . Aber wahrscheinlich kommen wir nicht dahinter, was uns wirklich quält.

Das ist im Schreiben genau so, wie im realen Leben: Manchmal merken wir einfach, dass etwas nicht stimmt; wir haben ein ungutes Gefühl, aber wir können nicht sagen, noch nicht sagen, was uns so negativ umtreibt. Wir können es vielleicht deshalb noch nicht sagen, weil uns unsere Gefühle oft einen Schritt voraus sind. Und dann braucht es einfach seine Zeit bis wir unsere Gefühle rationalisieren und in unser Bewusstsein vordringen lassen können. Sobald das geschehen ist, werden wir wieder klar sehen. Und wahrscheinlich werden wir auch klar sagen können, was uns zuvor gehemmt, gequält, geängstigt hat. Das einzige Therapeutikum und Heilmittel dabei war: Ein wenig Geduld und einmal oder ein paarmal schlafen.

Im Schreiben wie im realen Leben

Ja, im Schreiben sollten wir, wenn uns unsere Schreiberei zu quälen beginnt, es genauso machen wie im realen Leben: Wir sollten locker lassen und uns nicht gedanklich verkrampfen. Wir sollten uns einfach ein bisschen Geduld schenken und eine oder ein paar Nächte darüber schlafen. Bald wird es klar sein, was uns quälte und wo es hakte.

Das können wir dann, wenn wir nicht verbissen an unseren ursprünglichen, alten Vorstellungen festhalten, leicht korrigieren. Schließlich sind wir allein und niemand sonst der Meister des Geschehens. Hier, im Schreiben, sind wir allmächtig! Und dann sind wir auch die Quälerei los und unser Schreiben wandelt sich in unbeschwerte Freude und Glück. Denn, das kennst Du ja sicherlich: Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, wenn man im Schreiben eine gute Idee hat und sagen kann: „Ja, das stimmt! Genau so ist es! Ja!“

Quäle Dich nicht! – Anders betrachtet

Lass uns die ganze Situation auch nochmals aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Ist es nicht wunderbar, dass es da eine Stimme oder eine Instanz gibt, die uns mahnt und uns davor zurück hält, etwas zu tun, was nicht passt? Ist das nicht faszinierend? – Wie ein innerer guter Freund, der uns darauf hinweist, wenn ein Gedanke oder eine Vorstellung an irgend einer Stelle keinen Sinn ergibt! Ein Freund, auf dessen mahnende Worte wir uns verlassen können.

Im realen Leben wie im Schreiben

Diesen treuen inneren Freund haben wir übrigens nicht nur im Schreiben. Wir haben ihn gleichermaßen im realen Leben. Deshalb sollten wir seine wohlgesonnene Treue zu schätzen wissen und ihm auch stets wohlgesonnen und treu sein; im Schreiben wie im Leben. Und nach Möglichkeit nur das leben und das schreiben, was echt ist, was uns entspricht, zu dem wir uneingeschränkt: „Ja!“ sagen können! (Zur Unterstützung dabei gibt es auch die Sinntherapie).

Auch unter diesem Aspekt betrachtet, kann uns das Schreiben helfen, uns ein wenig besser kennen zu lernen. Selbst wenn es manchmal ein wenig mühsam ist: Wir schreiben und wir sind auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Kann es Wertvolleres geben?

In diesem Sinn grüße ich Dich herzlich,

Dein Michael


Quäle Dich nicht beim Schreiben! Dein Schreiben soll Dir eine kreative Freude und Erfüllung sein! Keine Qual!
Quäle Dich nicht beim Schreiben! Dein Schreiben soll Dir eine kreative Freude und Erfüllung sein! Keine Qual!

PS: Ich freue mich immer über Kommentare, Anmerkungen, Anregungen, Fragen, Tips, … (Formular s.u. oder per mail)


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